Schützengilde zu Lübben

600 jahre Schützengilde zu Lübben 1425/1990 e. V.


Seit Dezember wird noch bis Juni in den Ausgaben des Stadtanzeigers auf die 600-jährige Geschichte des Schützengilde zu Lübben 1425/1990 e. V. geblickt. Hier lesen Sie Teil 3:

GESCHICHTE DER SCHÜTZENGILDE

  • Teil 1: Die Wurzeln der Schützengilde in Lübben

    Ein Eintrag von 1425 in das Stadtbuch begründet die fast 600-jährige Geschichte des Schützenbrauchtums von Lübben. Diese erstmalige urkundliche Erwähnung ist Ursprung der heutigen Schützengilde zu Lübben 1425/1990 e. V. Mit großer Wahrscheinlichkeit bestand ein Bündnis von Schützen zum Zwecke des Schutzes von Lübben und deren Bürgern schon zuvor. Denn bereits zu dieser Zeit, mit einer wichtigen Aufgabe betraut, genoss es eine solche Schützengilde von der Stadt gefördert zu werden, indem die Schützen Geldmittel erhielten und bestimmte Privilegien genießen konnten. Es wird vermutet, dass sich das erste Übungsfeld für die seinerzeit mit Pfeil und Bogen ausgerüsteten Schützen in der Nähe des noch heute bestehenden Lübbener Schutzgrabens befand, der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Schützengraben hieß.

    Die folgenden Zeiten, in denen die Gilde den Bürgern Schutz vor brandschatzenden sowie plündernden Banden bot, gingen vorüber. Allmählich entwickelte sich die Schützengilde in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einer soziokulturellen Vereinigung. Nunmehr stand weniger der Schutz der Stadt im Vordergrund, als dass die Schützengilde zunehmend zu einem Zusammenschluss von Bürgern mit einem Interesse an Schießübungen und den damit verbunden feuchtfröhlichen Gelagen wurde. Nicht nur weist eine Stadtrechnung des Jahres 1658/1659 die Genehmigung des Baues eines Schützenhauses durch die Bürgerschaft aus. Vielmehr wurden beispielsweise im Jahre 1752 beim Pfingstschießen auf Anweisung des Schützenältesten aus der Gildekasse unter anderem 32 Kannen Kirschwein, acht halbe Tonnen Bier und eine Tonne Gerstenbier bezahlt.

    Des Weiteren besaß ein Schützenkönig seit jeher nicht nur ein hohes Ansehen innerhalb der Gesellschaft. Ihm standen außerdem mit dem Erwerb der Königswürde einige Privilegien zu. Ehrzeichen, Plaketten, Pokale und andere wertvolle Preise wurden den Siegern ferner zu allen Zeiten überreicht. Bereits vor mehr als 300 Jahren erhielt ein König, so wie es heutzutage noch immer eine Tradition der Schützengilde zu Lübben 1425/1990 e. V. ist, eine Königskette. Auch Schützenkleidung trugen seinerzeit bereits die Schützen. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Uniformen stets und ständig. Schließlich wurden sie beispielsweise im Jahre 1914 denen des Heeres angepasst. Mitsamt ihren prächtigen Uniformen marschierten die Lübbener Schützen auch im Jubiläumsjahr 1925 durch die Stadt Lübben. (Wilhelm Tarnow)

    Geländezeichnung mit heutigem Schützenhaus im Jahre 1713 ©privat
  • Teil 2: Das Jahr 1925 sowie die 500-Jahrfeier  

    Festschrift zum Festakt der 500-Jahrfeier © privat

    Acht Tage wurde ausgiebig gefeiert. Eine Stadt stand buchstäblich auf dem Kopf. So in etwa lauteten die Erinnerungen an die 500-Jahrfeier der Schützengilde Lübben. 1925, ein Viertel des 20. Jahrhunderts war bereits vergangen. Inmitten dieses Jahres fand ein prachtvolles Fest statt. So begannen am 5. Juli 1925 die Festlichkeiten zur 500-Jahrfeier der Schützengilde in Lübben und dauerten bis zum 12. Juli 1925 an. Anlässlich des Festes gab es einen Ehrenausschuss, welcher nicht nur mit großen Namen wie beispielsweise Erich von Reden, der seinerzeit das Amt des Landrats des Landkreises Lübben innehatte, besetzt war. Vielmehr kümmerten sich die Herren dieses Ausschusses auch um die Vorbereitung, Organisation und Finanzierung des Festes. Einmal mehr wird dies in der Tatsache deutlich, dass für die Umsetzung des Festzuges eine künstlerische Beratung hingezogen wurde. Die Firma Verch aus Berlin stand dem Ehrenausschuss beratend zur Seite.

    Die eigentliche Eröffnung der Festlichkeiten war schon für den 4. Juli 1925 vorgesehen. Nach einer Fahnenweihe erfolgte am Abend um 20 Uhr der Auftakt des Festes mit dem Zapfenstreich. Abendliche Kahnfahrten mit reichlich Beleuchtung entlang der Flussläufe sollen damals zudem eine Attraktion gewesen sein. Am Sonntag, dem 5. Juli 1925, folgte um 12 Uhr der Umzug. In historischen Kostümen zogen die insgesamt 13 historischen Gruppen durch die ganze Stadt bis zum Schützenhaus. Es war ein verregneter Festumzug und dennoch schien die ganze Stadt auf den Beinen gewesen zu sein, um sich dieses geschichtsträchtige Schauspiel nicht entgehen zu lassen.

    Geschossen wurde im Übrigen auch. Unter anderem wurde am 6. Juli 1925 der „Jubelkönig“ ermittelt. Mit einer eigens dafür vorgesehenen Schießordnung zum 500-jährigen Jubiläum konnte auf insgesamt sechs verschiedene Schreiben geschossen werden.

    Im Rückblick auf dieses historische Ereignis ist so mancher Zeitzeugen- und Zeitungsbericht in dem ein oder anderen Archiv noch vorhanden. Lübbenerinnen oder Lübbener, die dieses große Fest hautnah miterlebten, gibt es womöglich rund 100 Jahre später nicht mehr. Dennoch ist die Schützengilde zu Lübben 1425/1990 e. V. noch im Besitz der historischen Festschrift sowie des Schützenkruges mit Zinndeckel, der mit einem Armbrustschützen und dem Lübbener Adler geschmückt wurde, die die Erinnerungen an die 500-Jahrfeier hochhalten. (Wilhelm Tarnow)

  • Teil 3: Vom Niedergang zur Neugründung

    Die Zeit nach dem 500-jährigen Jubiläum der Schützengilde zu Lübben lässt für den historischen Beobachter heute noch so manche Frage offen. Nach der großartigen Jubiläumsfeier wurde das Schützenbrauchtum von Lübben auch in den Jahren 1926 bis 1939 weiter gepflegt. Und doch ist diese Zeit, vor allem in Anbetracht der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933, vorerst mit dem Niedergang des Schützenbrauchtums in Lübben verbunden. Zwar schossen die Lübbener Schützen zwischen 1926 und 1939 nahezu jedes Jahr den Adlerschützenkönig sowie den König der Tellerscheibe aus. Und ebenso folgten die Schützenfeste bis zum letzten Fest im Jahr 1939 einer strengen Tradition. Gleichwohl wurden Tanzveranstaltungen nach Kriegsbeginn und alle weiteren öffentlichen Feiern, die nichts mit dem direkten Geschehen der damaligen Zeit zu tun hatten, untersagt.

    Erwähnenswert bleibt dennoch, dass das Interesse am Schützenbrauchtum bei mancher Lübbener Familie auch den vorübergehenden Niedergang der Gilde überstand. So gewann Schützenbruder Friedrich Keutel 1933 die Tellerscheibe. Nachkommen der Familie Keutel waren nach der Neugründung der Lübbener Schützengilde für das Schützenwesen vielfach aktiv.

    Im Mai 1938 wurden die Lübbener Schützengilde sowie der „Verein ehemaliger Lübbener Jäger“ in den Nationalsozialistischen Reichskriegerbund eingegliedert. Bei dem „Verein ehemaliger Lübbener Jäger“ handelte es sich um ehemalige Soldaten des Brandenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 3, die von 1827 an in Lübben stationiert waren. Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde das Jägerbataillon jedoch aufgelöst. Bereits vor dessen Auflösung hatte sich ein „Verein ehemaliger Lübbener Jäger“ gegründet.

    Auch in den Kriegsjahren wurde die Tradition des Königsschießens noch in kleinem Rahmen fortgeführt. Jedoch war es nicht immer möglich, ein Königsessen auszurichten. Die traditionsreiche Geschichte der Schützengilde zu Lübben endete schließlich mit Kriegsende, am 8. Mai 1945. In der Folge waren Schützengesellschaften verboten und wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht als militärisch eingestuft.

    Zur Neugründung einer Lübbener Schützengilde kam es erst 45 Jahre nach dem Niedergang. Am 8. Juni 1990 erfolgte die Gründungsversammlung der „Schützengilde zu Lübben 1425/1990“ e. V. (Wilhelm Tarnow)

  • Fortsetzung folgt ...

TERMIN

Der älteste Verein der Stadt feiert großes Jubiläum. Die Lübbener Schützen begehen am 14. Juni 2025 ihr 600-jähriges Bestehen. Zum 31. Schützenfest der Gilde sind Bewohner und Gäste der Stadt zum Gasthaus Lenigksberg eingeladen, um neben der Proklamation der Schützenkönige auch das Platzkonzert mit den „Spreetaler Blasmusikanten“ zu erleben. Der Eintritt ist frei.

  • 31. SCHÜTZENFEST
  • 14.06. | 16:00 – 20:00 Uhr
  • Gasthaus Lehnigksberg
  • Eintritt frei